Die unterschätzten Emotionen

Karriere.DiePresse.com, Michael Köttritsch, 27./28. Jänner 2018

Teams. Bei aller Methodenverliebtheit und dem Trend zur Sachlichkeit sollte die Macht der Emotionen nicht übersehen werden, sagt Organisationsentwicklerin Barbara Heitger.

Drei Kräfte beschäftigten Unternehmen derzeit massiv: erstens der Effizienzdruckdurch die (asiatische) Konkurrenz, zweitens der Innovationsdruck durch technische Entwicklung und digitale Transformation, sagt Organisationsentwicklerin Barbara Heitger, Geschäftsführerin Heitger Consulting – Essential Change & Leadership by KPMG. Die dritte Kraft komme aus den Unternehmen selbst. Denn sie hätten lange mit Kompliziertheit auf Komplexität reagiert – statt mit Flexibilität. Und damit vernachlässigt, was unter „Fahren auf Sicht“ verstanden wird: das Big Picture zu zeichnen, Mitarbeiter zu ermächtigen, auf Marktnähe zu setzen und dann Schritt für Schritt voranzukommen, statt endlos zu planen. Wenn Unternehmen mit den klassischen Managementkonzepten weitermachen, sind Selbstverkomplizierung und Übersteuerung die Folgen. Dabei gebe es von Älteren wie Jüngeren eine „Sehnsucht nach Eigenwirksamkeit“ – statt sich in endlosen Prozessen und interner Politik zu verlieren. Zwei Arbeitsmodi würden Unternehmen in dieser Situation zur Verfügung stehen, sagt Heitger:

  • Exploit: also Dinge rasch und effizient umzusetzen und Kosten nach unten zu drücken, und

  • Explore: Das meint, sich Zeit zu nehmen, um Optionen zu entwickeln – für neue Strategien, Geschäftsmodelle, Organisations- und Führungsmodelle.

„Unternehmen müssen sich in beiden Modi stärken, beide gleichzeitig leben“, sagt sie. Im Exploit-

Modus haben Unternehmen in den vergangenen Jahren viel geschafft, im Explore-Modus gibt es viel weniger Routinen, sich Timeouts fürs Querdenken zu nehmen.