Große Entscheidungen triff mit dem Herzen

DerStandard, Lisa Breit, 26./27.09.2015

Interview mit Barbara Heitger

In unsicheren Zeiten sind Entscheidungen noch schwerer zu treffen, beobachtet Barbara Heitger. Chefs empfielt die Beraterin, die Verantwortung auch hin und wieder abzugeben. 

STANDARD: Was macht Entscheidungen manchmal so schwierig?
Heitger: Dass man mit jeder größeren Entscheidung eine Wahl trifft, deren Ende man nicht kennt. Das gilt für die Entscheidung für einen Job, eine Stadt, einen Partner ebenso wie für Unternehmensstrategien. Man scheidet damit auch andere Möglichkeiten aus, daher auch der Begriff "ent-scheiden". Heute fallen Entscheidungen oft noch scherer als früher.

STANDARD: Warum?
Heitger: Weil die Zukunft heute noch schwerer einzuschätzen ist. Vor einem Jahr hätte niemand die heutige Flüchtlingssituation vorhersagen können, und es hätte auch niemand vor fünf Jahren richtig vorhergesagt, was mit Griechenland passieren würde. Wenn ich mich vor zwanzig Jahren dazu entschieden habe, für eine Bank zu arbeiten, wäre das ein Job fürs Leben gewesen. Heute muss man damit rechnen, dass die Wahrscheinlichkeit, den Job zu behalten, nicht extrem hoch ist. Unternehmen wiederum können ihre Märkte kaum vorhersagen oder die Entwicklung ihres Geschäftes über Strategien wenig steuern. Alles ist viel volatiler geworden.