Wer verändert, braucht eine Geschichte

Die Presse, 20./21.12.2014

Barbara Heitger über harte Schnitte und neues Wachstum

Presse: Worauf kommt es an, wenn Veränderungen Effizienz- und Abbauziele haben?

Heitger: Zielt Veränderung auf Effizienz, müssen die Ziele sehr sorgfältig erklärt und die Prozesse top-down gesteuert werden. Effizienzziele bedeuten immer Kostenziele und damit den Abschied von etwas bislang Bewährtem. Das erzeugt Kränkung, Enttäuschung und Zukunftsängste. Diese Empfindungen müssen ernst genommen werden. In der Praxis wird viel zu oft nur mit Zahlen argumentiert – so etwas verstört.

Presse: Was ist bei Wachstums- und Innovationszielen anders?

Heitger: Das Management muss eine Richtung vorgeben und Raum für Experimente öffnen. Fehler, die beim Experimentieren passieren, dürfen keine Katastrophe bedeuten.

Presse: Was sind die wichtigsten Punkte, damit Veränderung gelingt?

Heitger: Erstens: Es braucht den Bezug zum Geschäft. Veränderung, die sich nur nach innen richtet, fehlt die Power. Zweitens: Tiefgreifende Veränderung dauert oft Jahre. Bloßes Verkünden der Ziele reicht nicht. Drittens: Die Lösungspartner inner- und außerhalb der Organisation müssen involviert werden. Viertens: Wer verändert, braucht eine Geschichte, die alle einbindet und den Sinn erzählt. Und fünftens: Es braucht ein kluges Design, das so flexibel ist, sich an verändernde Umstände anzupassen. Kein Veränderungsprozess endet mit den Zielen, mit denen er begonnen wurde. 

 
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