Maßnahmen gegen den 'rasenden Stillstand' / Zu Agilität und Resilienz gelangen

Der Standard / Leadership, Barbara Heitger 23.08.2014

Große Organisationen verpassen sich noch komplexere Organisationsdesigns. Das erhöht den Druck, setzt ein Hamsterrad in Bewegung. Dabei geht es doch gerade jetzt um Agilität und Resilienz.

"Vuca" - volatile, uncertain, complex, ambiguous - dient als Beschreibung der "Neuen Normalität", wenn es um Unternehmensentwicklung und Veränderung in Organisationen geht. Wachstum ist gefragt - global in neuen Märkten und qualitativ als Innovation. Und Effizienz ist gefragt - Kostensparprogramme, Konzentration auf das Kerngeschäft und Auslagerungen an günstigere Standorte. All das bei immer unsicherer und offener werdenden Zukünften. Vor allem die großen Organisationen antworten auf Vuca mit noch komplexeren Organisationsdesigns, mit Überstrukturierung - vielleicht auch, weil das den Glauben, die Kontrolle zu behalten oder wieder zu gewinnen, eher nährt. Das geht auf Kosten der Personen: Entlastung der Systeme, Belastung der Individuen. Das belastet Führungskräfte ebenso wie Mitarbeiter, erhöht Druck, Zielkonflikte, Bürokratie, Innenorientierung und persönliche Ohnmachtsgefühle: bei großen, unerreichbaren Zielen keine Stellschrauben mehr zur Verfügung zu haben -  außer noch mehr Arbeitseinsatz. Die Gefahr ist, im Hamsterrad unterwegs zu sein, eine Art "rasender Stillstand", um mit Virilio zu sprechen.

Und so wird zwar intensiv an Strategie- und Personenthemen gearbeitet, hingegen wird die Wirkung neuer Strukturen von kaum jemandem im Unternehmen professionell, mit Empathie für die in der Organisation Arbeitenden und mit Geschäftsbezug, wirklich unter die Lupe genommen. Die Dynamik und Wirkungsweisen organisatorischer Steuerungsmodelle und Strukturen hat niemand so recht im Blick - nicht die Führung, nicht die Organisatoren, nicht die Human Resources.

Die Agilität und Resilienz von Organisationen, auf deren gekonntes Design es gerade jetzt so ankommt, wird in vielen Unternehmen als Expertise nicht besetzt, mit doch deutlichen negativen Konsequenzen. Eine professionelle Leerstelle also, die Human Resources im Zusammenspiel mit der Führung und Strategie- und Organisationsexperten anpacken könnte.

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