Führungsarbeit ist ein Mannschaftssport

Wirtschaftsblatt, 27.11.2013

Welche Herausforderungen auf Führungskräfte zukommen, das erörterte die Unternehmensberaterin Barbara Heitger bei einer von Gaisberg Consulting organisierten Diskussion mit Managern. Im Interview mit dem WirtschaftsBlatt fasst Heitger ihre Ratschläge zusammen

WirtschaftsBlatt: Worüber müssen sich Führungskräfte heute ganz besonders den Kopf zerbrechen?

Barbara Heitger:
Unternehmen bewegen sich in volatilen Märkten, morgen kann alles ganz anders sein als heute. Es ist wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo die Strategien verletzlich sind. Auch die richtigen Ziele sind eine Herausforderung. Sehr anspruchsvolle Ziele können riskant sein und ein Unternehmen gefährden. Die Kosteneffizienz gehört auch dazu. Man muss gut überlegen, wo es sich lohnt zu sparen und wo dadurch zu viel Wissen verloren geht.

WirtschaftsBlatt: Welche Rolle spielt dabei die Internationalisierung?

Barbara Heitger: Die erste, zweite und dritte Welt gibt es nicht mehr. Durch die interaktiven Medien ist die Wirtschaft enorm zusammengerückt. Internationales Agieren braucht andere Kompetenzen in der Führung. Die Besetzung von Entscheidungsfunktionen muss der Internationalität entsprechen.

WirtschaftsBlatt: Müssen Führungskräfte auch anders agieren als bisher?

Barbara Heitger: Der klassische Weg - die Führung entscheidet, umgesetzt wird im Feld - löst sich mit der Internationalisierung auf. Eine wichtige Führungsaufgabe wird sein, Kommunikationsplattformen zu bauen, für alle, die zu einer Lösung betragen können. Nur so kann das Unternehmen im Bedarfsfall rasch reagieren. Eine Führungskraft wird zum Kommunikationsdesigner, zum Vernetzer, zum Moderator.

WirtschaftsBlatt: Kann es sich eine Führungskraft leisten, Macht abzugeben?

Barbara Heitger: Charismatische, heldenhafte Führungsfiguren sind nicht immer eine gute Antwort auf die Fragen, die Unternehmen jetzt bewältigen müssen. Solche Personen sind auch eine Projektionsfläche für Erwartungen, die oft nicht eingelöst werden können. Es kommt viel stärker darauf an, dass Führungskräfte gute Führungsteams bauen. Führungsarbeit ist ein Mannschaftssport.

WirtschaftsBlatt: Müssen Unternehmen heute transparenter sein als früher?

Barbara Heitger: Definitiv. Was in den Unternehmen passiert, wird durch die sozialen Netzwerke ganz leicht nach außen sichtbar. Man kann nachfragen, wie es in dieser oder jener Firma zugeht. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen. In Führungskräfte-Entwicklungsprogrammen kommt das leider noch kaum vor.

WirtschaftsBlatt: Gelten all diese Herausforderungen auch für KMU?

Barbara Heitger: Grundsätzlich ja. In kleineren und mittleren Unternehmen geht aber manches schneller. Sie sind noch hierarchisch und weniger arbeitsteilig organisiert nicht so eng an den Finanzmarkt gekoppelt. Dadurch sind sie agiler.

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