"Komplementärberatung: Quantensprung oder Übergangsphänomen?"

ZOE, Nr.2/2009

Ich halte die Diskussion um die Weiterentwicklung der systemischen Beratung für zentral. Das Beratungsgeschäft befindet sich im Umbruch. Systemische Berater und klassische Berater spüren die Grenzen ihres Ansatzes über die Anliegen der Kunden. Die fordern - das erleben wir in unserer Zusammenarbeit mit ihnen - über maßgeschneiderte Architekturen und Designs hinaus, die die Ressourcen des Unternehmens auf dem Weg zum Ziel wirksam zur Geltung bringen, auch Sparring für ihre Konzepte, die zur Entscheidung und Umsetzung anstehen. Ihre Erwartung ist es, dass die Berater ihre systemische Diagnose und Perspektive in die Diskussion der «pro-s und con-s» von Zukunftsentwürfen zu Strategien oder Organisationsdesigns einbringen. Das können die Beraterinnen jedoch nur dann, wenn sie von den Themen auch inhaltlich etwas verstehen und die Letztentscheidung ganz klar beim Management bleibt (kein Ersatzmanagement). Dann also, wenn die Arbeitsbeziehung zwischen Management und Beratung reif und reflektierbar ist und auf Komplementarität (inhaltlich) und auf Symmetrie (Gleichwertigkeit) zugleich angelegt ist. Insgesamt ist eine so verstandene integrierte Beratung daher eine voraussetzungsreiche Angelegenheit. Eine solche Beratungsarbeit ist anspruchsvoll - sowohl für die BeraterInnen in ihrer individuellen Kompetenz, weil sie Seniorität, Qualifikationsbreite und Selbstreflexion der eigenen Rollengestaltung verlangt. Aber auch die Beratungsorganisationen - in der systemischen Welt meist gruppenorientierte Expertenunternehmen nach dem Prinzip gleichwertiger Partner - sind gefordert: Wie können sie Wissenstransfer und -aufbau in diesen Dimensionen in sich bzw. in ihren Netzwerken organisieren und professionell Nachwuchs entwickeln. Welche Geschäfts- und Organisationsmodelle unterstützen die oben skizzierte Entwicklung? Fragen, an denen wir weiterarbeiten und weiterexperimentieren müssen. Das in unserer Community zu tun, ist mir ein großes Anliegen.