Neues Navigationssystem der Wirtschaft

Der Standard, 27.05.2010

Führungsthemen in ihrem Spannungsverhältnis neu diskutieren – das ist das Anliegen von Leadership revisited. Diesmal ging es bei Barbara Heitger und Martin Engelberg um "CSR– der Verantwortung auf der Spur".

Aus systematischen und psychodynamischen Perspektiven wollen Barbara Heitger (Heitger Consulting) und Martin Engelberg (Vienna Consulting Group) Führungskräfte aus alten Denkmustern holen, zur Reflexion anregen. Leadership revisited nennt sich dieser Raum, der zweimal jährlich im Palais Trauttmansdorf im "Standard" eröffnet wird. Die unternehmerische Verantwortung, Corporate Social Responsibility, war in der Vorwoche das Thema. Zu Gast war eine prominente Protagonistin des Themas: Kerstin Born, Geschäftsfüherin von CSR Europe, einem Netzwerk aus 70 globalen Unternehmen mit Geschäftstätigkeit in Europa mit 28 Partnerorganisationen – in Österreich verbunden durch die CSR-Plattform www.respact.at.

"Drei tiefe Krisen"
"Wer führt eigentlich noch?", steigt Kerstin Born recht provokativ in Leadership revisited ein und benannte "drei tiefe Krisen" der Gegenwart: Eine Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise, eine Wertekrise und eine Führungskrise. CSR, Corporate Social Responsibility – also das Integrieren von ökologischer und sozialer Belange in die unternehmerische Verantwortung – gewinne dadurch an Bedeutung, so Born. Sie stellt CSR in einen Wettbewerbszusammenhang und macht das "Funktionieren" an der Integration im Unternehmen fest: "es funktioniert nur, wenn es zur DNA des Unternehmens gehört". CSR müsse in diesem Sinne sowohl der Profitabilität des Unternehmens dienen als auch der Gesellschaft.
Profit sei in diesem Zusammenhang nicht "anrüchig", ist ihr wichtig zu betonen, es gehe nicht um Philanthropie.
Dass CSR als "Marketingtool" eingesetzt wird – dagegen sei nichts zu sagen, entgegnet sie den oft impliziten Vorwürfen eines "Kommunikationsthemas", wenn CSR eben bereits in der DNA sitze.
Sie sieht in der CSR nicht weniger als "ein neues Navigationssystem der Wirtschaft", das von Konsumenten und Investoren getrieben werde, aber "Unternehmenschefs braucht, die den Wandel aktiv vorantreiben und Stellung beziehen". Dann sei CSR "Treiber für ein neues Wachstum".

Als Diskussionsgrundlage gibt Kerstin Born fünf Thesen an die Führungsverantwortung mit:
  • Wir müssen "wachsenden Wohlstand" neu definieren und uns fragen, woran dieser sich bemisst.
  • Die Unternehmenspolitik in Europa muss gemeinsam eine Führungsrolle einnehmen, um nachhaltiges Wirtschaften durchzusetzen.
  • CSR funktioniert nur in allerneuster Zusammenarbeit mit allen Anspruchsgruppen, mit den Stakeholdern.
  • CSR stärkt die Innovationskraft und schafft neue Möglichkeiten.
  • Kommunikation von CSR muss einfacher werden. Medien haben eine wesentliche Rolle in ihrem Beitrag, CSR verständlich zu kommunizieren.