Zurück in die Zukunft: Manager auf Expedition

Der Standard, 31.07./01.08.2010

Innovation sei ein noch relativ unterbelichtetes Feld – Das Konzept der "Learning Journey" soll das ändern

Weg vom Trampelpfad des Erfolges, hinein in die Expedition. Reisen erweitert bekanntlich den Horizont. Barbara Heitger, Gründerin und Managing Partner von Heitger Consulting, nahm es örtlich und entwickelte die "Learning Journey" . Die erste wurde mit dem deutschen Saatzuchtunternehmen KWS durchgeführt – ein unlängst ausgezeichnetes Projekt. Ziel der Learning Journey sei es, erklärt Heitger die Idee hinter dem Konzept, "gemeinsam mit dem Klienten auf Expeditionen zu anderen erfolgreichen Unternehmen inhaltliche Impulse zu strategischen Kernfragen zu entdecken, zu verstehen und in die eigene Organisation zu transferieren." Es gehe darum, auf Fragen, die über das unmittelbare operative Geschäft hinausgehen, Antworten zu finden – "Innovations- und Turbulenzpotenzial für die Zukunft" zu bearbeiten, sagt sie. Gerade besonders erfolgreichen Unternehmen bleibe aufgrund kapazitärer Auslastung wenig Raum für eine intensive Beschäftigung mit Innovation. Es gebe keine Zeit, auch einmal über den Tellerrand zu blicken, so Heitger weiter. Damit laufen diese Unternehmen auch Gefahr, dass - so drückte es Peter Schöneborn von KWS aus – "der Erfolg von heute zum Misserfolg von morgen" werden könnte. Die Auseinandersetzung mit ungelösten strategischen Zukunftsfragen sei deshalb zentral. Mit der Learning Journey verfolge man das Prinzip des "Stop and grow", zitiert Heitger einen Kollegen und meint damit den Schritt aus der Komfortzone. 

Erfolgsformel "3x3x3"
"Es ist schon spannend, wenn Sie die Topmanager im Bus sitzen sehen, mit ihren Laptops auf den Knien, ohne besonderen Komfort, ganz ohne Sekretärin", erzählt Barbara Heitger amüsiert aus der Praxis. Das Konzept sieht nämlich folgendes vor: Drei gemischte Management-Teams fahren jeweils drei Tage zu drei anderen erfolgreichen Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Die zentrale Frage dabei: Wie bereiten sich andere erfolgreiche Unternehmen auf ungelöste Zukunftsfragen vor, um auch in zehn Jahren marktführend und erfolgreich zu sein? Die während der Besuche erarbeiteten Antworten werden im Sparring mit anderen "Champions" diskutiert und somit auch "die eigenen Routinen und Ideen auf die Probe gestellt", sagt Heitger. Sicher eine sehr einprägsame Erfahrung für die Topmanager, die zum einen Innovationsthemen sehr häufig in Form von Unterlagen auf den Tisch bekommen und nicht selbst daran arbeiten, wodurch ein ganz anderes Bewusstsein dafür entstehe, was man überhaupt tun muss, um Innovation entstehen zu lassen, so Heitger.

Improvisation

Andererseits erzeuge die offene, informelle Arbeit in Teams enorme Kraft, ergänzt sie. "Es musste viel improvisiert werden. Alles, was auf Expeditionen eben passieren kann, passiert auch bei der Learning Journey." Und: Es wurde täglich bis in die späten Abendstunden hinein gearbeitet.
Nicht zuletzt sei die Wahrscheinlichkeit für eine Umsetzung neuer Innovations-Initiativen, wenn vom Topmanagement direkt daran gearbeitet wurde, eine sehr hohe. Im Fall der KWS sind es fünf von sechs. Das schnelle und effiziente Generieren neuer Ideen sowie deren Umsetzung - was hohes Commitment voraussetze – werde zu einem der wichtigsten Faktoren für große und mittlere Unternehmen im deutschsprachigen Raum werden, ist Heitger überzeugt. 

Am 3. und 4. September 2010 veranstaltet Heitger Consulting das Symposium "Resilienz – das Unterwartete meistern! Warum resiliente Unternehmen erfolgreicher sind", in dessen Rahmen auch die Learning Journey vorgestellt wird.

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